‚ Indonesien  

DIE GESCHICHTE DES DEUTSCHEN SOLDATENFRIEDHOFS
ARCA DOMAS IN INDONESIEN
Herwig Zahorka 

"Eine Geschichte von einem verschwundenen Königreich, von heiligen Bäumen, von brutalen Kriegen, von gesunkenen Schiffen, von verlorenen Seemannsseelen und von stillen Gräbern am Hang eines tropischen Vulkans".

Die Geschichte
Am Hang des Vulkans Pangrango in West-Java, in fast 1000 Meter Höhe, stehen zwischen riesigen Waringin-Bäumen zehn blütenweisse Grabsteine. Sie haben die Form von Eisernen Kreuzen. Acht besitzen ein Namensschildchen, zwei vermelden "Unbekannt". Es sind die letzten Ruhestätten von jungen Seeleuten, die im zweiten Weltkrieg unterwasser hierher kamen, in abenteuerlicher Fahrt mit ihren U-Booten. Sie ruhen in historisch-geheiligtem Boden.

Es waren einmal sundanesische Königreiche, hier in West-Java. Die Dynastien der Hindu Könige von Tarumanagara bis Pajajaran herrschte mit ihren hinduistischen Hohenpriestern über 1000 Jahre lang über ihr Volk der Sundanesen. Über Jahrhunderte wurden die Seelen der Verstorbenen in einem Heiligtum am Hang des Vulkans Pangrango den Göttern übergeben. Vier heilige Waringin-Bäume (Ficus sp ) umsäumten dieses terrassierte Heiligtum. Die behauenen Statuen und Steine zählten zuletzt wohl an die 800, und der Friedhof wurde Arca Domas genannt (c=tsch), was auf Alt-Sanskrit Achthundert Statuen heisst.

Ab 1527 zerstörten islamische Krieger unter Fatahillah das Pakuan-Pajajaran-Königreich und konvertierten die meisten Sundanesen zum Islam. Die Paläste und Tempel gingen verloren. Die Priesterschaft flüchtete möglicherweise in ein entlegenes Gebirge und schirmte sich bis zum heutigen Tag erfolgreich gegen alle Einflüsse von aussen ab. Kein Fremder darf das innere Gebiet dieser "Kenekes", auch "Badui", genannten Volksgruppe betreten, in dem ebenfalls ein Arca Domas Heiligtum besteht.

Im Laufe der Zeit wurden die meisten Steine zum Hausbau verwandt. Auf Lithographien des 19. Jahrhunderts zeigen viele Statuen Züge des Polynesischen Stils, wie sie auch im Nationalmuseum in Jakarta zu sehen sind. Später wurde der Hang landwirtschaftlich kultiviert. Aber die riesigen Waringin-Bäume erinnerten die Menschen weiterhin an ein Heiligtum.

Nach dem ersten Weltkrieg kauften die deutschen Brüder Emil und Theodor Helfferich hier 900 Hektar Land und betrieben eine profitable Teeplantage mit eigener Teefabrik und Transportseilbahn. Komfortable Gebäude wurden errichtet in der angenehmen Klimazone von etwa 900 m Seehöhe. Da ihr älterer Bruder Karl Helfferich Vizekanzler unter dem letzten deutschen Kaiser war, errichteten sie in Verbundenheit mit der kaiserlichen Marine und im Gedenken an das von den Briten versenkte Ostasien-Geschwader des Admirals Graf Spee zwischen den ehrwürdigen Bäumen ein Denkmal mit der Aufschrift "Dem tapferen Deutsch-Ostasiatischem Geschwader 1914. Errichtet von Emil und Theodor Helfferich". Als Tribut an die alten Religionen Javas wurde das Denkmal flankiert von einer Buddha-Statue und einer Ganesha-Statue, der hinduistischen Gottheit der Weisheit mit dem Elefantenkopf.

Die Einweihung erfolgte 1926 anlässlich des Besuches des deutschen Schulkreuzers "Hamburg" in der damaligen Niederländischen Kolonie. Ein junger Kapitänleutnant, Hans-Georg von Friedeburg, beschrieb diese Zeremonie in seinem wundervollen Buch "32 000 Seemeilen auf blauem Wasser". Er brachte es später bis zum Generaladmiral und beendete sein Leben 1945 anlässlich der deutschen Kapitulation. Sein Sohn war später langjähriger Kultusminister in Hessen.

Die Helfferich-Brüder kehrten 1928 nach Deutschland zurück und hinterließen Albert Vehring aus Bielefeld das technische Management. Dieser hatte bereits aus Neu-Guinea Plantagenerfahrung mitgebracht. Sein Name wird mit Arca Domas schicksalhaft verbunden bleiben. Back to Top

Beginn des Zweiten Weltkrieges
1939 brach der Zweite Weltkrieg aus, und am 10. Mai 1940 fielen deutsche Truppen in die Niederlande ein. Noch am selben Tage begann die niederländische Kolonialverwaltung alle 2 436 Deutsche zu internieren. Es waren überwiegend Angehörige der Kolonialverwaltung mit ihren Familien, wie Plantagenexperten, Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler, Erdölexperten. Aber auch Diplomaten, viele Missionare, Kaufleute und Seeleute und einige Künstler, wie der Begründer der berühmten balinesischen Malschule, Walter Spies, waren darunter. Das größte Lager befand sich in Nord-Sumatra. Die Männer wurden von den Frauen und Kindern getrennt. Einige Hundert Frauen und Kinder konnten dank der Vermittlung der Helferichs später über China nach Japan ausreisen, so auch Albert Vehrings Frau Hildegard. Helfferichs Plantage wurde enteignet. Back to Top

Der Untergang der Van Imhoff und die "Freie Republik Nias"
Am 14. Dezember 1941 landeten japanische Truppen auf Borneo und im Februar 1942 in Air Bangis auf Sumatra. Die deutschen Männer durften nicht in Ihre Hände fallen, beschlossen die Niederländer, denn Deutschland war mit Japan verbündet. Die niederländische Kolonialverwaltung beschloss daher bereits im Januar, die Internierten in die britische Kronkolonie Indien zu verschiffen. Zwei holländische Gefängnisschiffe stachen am 17. Januar von Sibolga auf Sumatra in See. Am 18. folgte als drittes der 3000 BRT-Dampfer der Niederl. Königlichen Paketfahrt Gesellschaft KPM "VAN IMHOFF" unter Kapitän Bongvani. Das Schiff wurde aber nach einigen Stunden Fahrt wieder zurückbeordert, um weitere Deutsche aufzunehmen. 477 Deutsche waren schließlich in ein Meter hohe, mit Stacheldraht umgebene Verließe gezwängt, darunter auch Albert Vehring und Walter Spies. Bewacht wurden sie von 62 bewaffneten Holländern. Die Crew umfasste weitere 48 Mann. Das Schiff war nicht mit dem Rot-Kreuz-Symbol bezeichnet.

Am nächsten Tag wurde das Schiff auf hoher See von einem japanischen Jagdflugzeug angegriffen. Zwei Bomben explodierten im Wasser, die dritte schlug das Schiff lek. Der erste Offizier kam zu den Deutschen und erklärte, das Schiff sei nicht in Gefahr, aber man habe trotzdem um Hilfe gefunkt. Hinter dem Stacheldraht brach keine Panik aus.

Aber die Deutschen waren entzetzt, als sie durch die mit Stacheldraht vergitterten Ausblicke sahen, dass die Niederländer die fünf großen Ladeboote zu Wasser liessen, sie an eine Motorpinasse hängten und das Schiff Richtung Sumatra verliessen. Jedes dieser Fünf-Tonnen-Boote hätte 80 Mann fassen können, die Motorpinasse weitere 60. Einige dieser Boote sind fast leer.

Nun brachen die Deutschen ihre Gefängnisse auf und erkannten, dass das Schiff am sinken war. Sie stellten fest, dass die Holländer auch die Pumpen und die Funkausrüstung zerschlagen hatten. Auf dem Achterschiff befand sich noch ein kleines Rettungsboot, das die Holländer nicht aus den festsitzenden Krampen bekamen. Die Ruder hatten die Holländer zerbrochen. Das Boot war fuer 42 Mann ausgezeichnet. Mit vereinten Kräften konnte es freigemacht und zu Wasser gelassen werden. 53 Mann stürzten sich hinein. Mit Planken als Ruder entfernten sie sich aus Sicherheitsgründen.

Etwa 200 Mann waren schon ins Wasser gesprungen in der Hoffnung auf Rettung. Aber die von den Bomben getöteten Fische hatten viele Haie angelockt, die nun die hilflosen Männer angriffen. Einige begangen Selbstmord. Die Tatkräftigsten bauten schnell aus Ladeluken, Brettern und Seilen Flöße. Albert Vehrings Bekannter findet noch ein verstecktes 2 bis 3 Meter langes Ruderboot an Deck. 14 Mann zwängen sich hinein, Vehring übernimmt das Kommando. Die Bordkante ragt eine Handbreit aus dem Wasser. Als sie 100 Meter vom Schiff entfernt sind, geht dieses plötzlich unter. Um die 200 Männer waren noch an Bord.

Die beiden Boote und die Flöße versuchten nun, die 55 Seemeilen entfernte Insel Nias zu erreichen, die Sumatra vorgelagert ist. Am nächsten Morgen, den 20. Januar, erschien das holländische Motorschiff "BOELOENGAN". Es kam auf 100 Meter an Vehrings Boot heran. Es wurde zugerufen: "Seid Ihr Holländer?". Auf die Verneinung drehte die Boeloengan ab und verschwand. Damit hatten die Männer auf den Flössen keine Chance mehr, gerettet zu werden. Ein jüdischer Juwelier, der aus Nazi-Deutschland geflüchtet war, schwamm von seinem Floß an das Schiff heran, wurde aber erbarmungslos zurückgewiesen. Das war sein unverdientes Todesurteil.

Albert Vehring berichtete später über diese unglaublichen Vorfälle in einer eidesstattlichen Erklärung am 20. Juni 1949 in Bielefeld bei Notar Bernhard Grünewald (Urkundenrolle Nr. 61/1949). Er schilderte, dass bei schwerem Seegang die Hälfte der Männer zur Entlastung des Bootes über Bord gehen und sich von außen am Boot festhalten mussten. Die Flöße waren aber nicht mehr zu retten.

Erst am vierten Tag, den 23. Januar, erreichten sie vollkommen erschöpft, verhungert, dehydriert und sonnenverbrannt die Steilküste von Nias. Das größere Boot wurde von der Brandung umgeworfen, wobei ein Mann ums Leben kam. Ein 73-Jähriger erhängte sich vor Verzweiflung. Am nächsten Morgen versorgten die freundlichen Niasser und ein holländische Pastor namens Ildefons van Straalen die Geretteten mit Nahrung und Getränken.

Bei diesem Unglück gingen 411 deutsche Zivilinternierte unter, darunter 20 protestantische und 18 katholische Missionare sowie der geniale Künstler Walter Spies. 67 Männer erreichten Nias, wovon 65 überlebten. Da die "VAN IMHOFF" der niederländischen KPM gehörte und die Niederlande unter deutscher Besetzung waren, mussten die versicherten Betreiber eine Entschädigungen von 4 Millionen Gulden an die Angehörigen der Toten in Deutschland zahlen, auch eine Einmaligkeit während eines Krieges. Nach dem Kriege strengten die in England lebenden Eltern von Walter Spies eine Klage gegen den Kapitän der "VAN IMHOFF" Bongovan. Er wurde zum Tode verurteilt, aber sofort amnestiert.

Am nächsten Tag wurden die Überlebenden auf Nias wieder von Holländern gefangen genommen und in den Hauptort der Insel, Gunung Sitoli, gebracht. Dort wurden sie im Polizeigefängnis eingesperrt, das von Holländern und von indonesischen Polizisten aus Sumatra bewacht wurde. Die Indonesier zeigten sich sehr verwundert, dass sie nun Deutsche bewachen sollten, wo doch die Deutschen erst vor kurzem ihre ungeliebten Kolonialherren in Holland besiegt hatten. Albert Vehring schmiedete mit ihnen ein Komplott.
Die Deutschen verbündeten sich mit den Indonesiern und setzten am Palmsonntag 1942 die Holländer als Gefangene fest. Die Japaner waren inzwischen schon auf Sumatra und Java gelandet und hatten nun - Ironie des Schicksals - überall die Niederländer in Internierungslager gesperrt.

Nun ereignete sich auf Nias eine unglaubliche Inszenierung, die uns heute zum Schmunzeln veranlasst: Die Deutschen proklamierten zusammen mit den Niassern die "Freie Republik Nias". Der Vertreter der Firma Bosch, ein Herr Fischer, wurde ihr Ministerpräsident, und Albert Vehring wurde Aussenminister. Sie hatten niassische Counterparts. Die Niasser jubelten, sie hatten endlich das Kolonialjoch abgeschüttelt. Einige Wochen regierten die Deutschen im Einvernehmen mit den Niassern ihre Insel. Albert Vehring segelte dann hinüber nach Sumatra, um mit den Japanern Verbindung aufzunehmen. Diese kamen am 17. April nach Nias und transportierten nun die Holländer als Gefangene ab, darunter auch Pastor van Straalen.
Die Deutschen konnten wieder an ihre früheren Stätten zurückkehren, die "Freie Republik Nias" hatte sich wieder aufgelöst. Albert Vehring arbeitete für die Japaner in einem Hotel, braute Schnaps und findet sich wieder als Schiffsingenieur in Singapur.
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Deutsche U-Boote in Tanjung Priok und Surabaya
Deutschland versuchte nun wieder, aus dem von den befreundeten Japanern besetzten Inselreich wichtige Rohstoffe zu importieren. Aber infolge der alliierten Blockade erreichte zuletzt von fünf Transportschiffen nur eins wieder seinen Zielhafen im besetzten Europa.

Deshalb wurden ab Mai 1943 mit Zustimmung der japanischen Marineleitung deutsche Marinestützpunkte in Penang, Singapur, Jakarta und Surabaya errichtet. Die Japaner hatten Batavia in Jakarta umbenannt. Die deutsche Seekriegsführung beschloss, die dringend benötigten Rohstoffe mit U-Booten zu transportieren. Es handelte sich um Kautschuk, Zinn, Molybdän, Wolfram, Fette, Chinin, Opium, Jod und Agar-Agar, einem wichtigen Grundstoff für Flugzeuganstriche. Mit bis zu 150 Tonnen wurden die so schon engen U-Boote beladen.

Der Stützpunktleiter in Jakarta, Korvettenkapitän Dr. Hermann Kandeler, der hier gleichzeitig der diplomatische Vertreter des Deutschen Reiches war, erreichte durch Verhandlungen mit den Japanern, dass die alte Villa des Staatsrates Helfferich in der Teeplantage Cikopo oberhalb Bogors bei Arca Domas wieder an die Deutschen übergeben wurde. Albert Vehring wurde wieder hierher geholt. Die Plantage wurde zum Erholungsparadies der strapazierten U-Boot-Besatzungen. Nach drei bis fünf Monaten Fahrt rund um Afrika, meist unterwasser, und Kampfeinsätzen kamen die Boote in stark reparaturbedürftigem Zustand an. Während der meist wochenlangen Reparaturzeit konnten die Blauen Jungs, einander abwechseld, das tropische Paradies in der Teeplantage geniessen und den brutalen Krieg und die Gefahren der Seefahrt für kurze Zeit vergessen.

Unter der Leitung von Albert Vehring wurden für die Versorgung der deutschen Marine und für den Proviant der Boote Gemüse und Kartoffeln angebaut, und es wurde Rinder-, Schweine- und Geflügelzucht betrieben, was der Plantage den Namen "U-Bootsweide" einbrachte. Nächtelange Abschiedsfeste wurden hier gefeiert, und heimatliche Gesänge erklangen dann durch die Tropennächte. Für fast die Hälfte der Kameraden war es die letzte Feier ihres kurzen Lebens. Später für einige auch noch ihre letzte Ruhestätte.

In die ostasiatischen Gewässer wurden 1943 und 1944 zusammen 42 U-Boote in Marsch gesetzt gesetzt. U 180 war sogar zweimal ausgelaufen. Nur 13 Boote entgingen einer Versenkung. Elf dieser "Monsun-Boote" hatten Jakarta angelaufen. Davon ruhen fünf auf dem Meeresgrund. Am 5. Oktober 1944 lief U 168 unter Kapitänleutnant Pich von Jakarta nach Surabaya aus. Noch am selben Tag wurde es vom niederländischen U-Boot "Zwaardfis" torpediert und sank auf 45 m Grund. 29 Männer im Vorschiff waren verloren. Unter Anleitung des Kapitäns konnten 11 Mann in der Zentrale aus dieser gefährlichen Tiefe "aussteigen". Als sie an die Oberfläche kamen, fanden sie auch die 16 Kameraden lebend wieder, die sich an Deck befunden hatten. Plötzlich tauchte das niederländische Boot auf und nahm alle an Bord. Dies muss als hervorragende menschliche Großtat des Kapitäns van Goosen gewürdigt werden, denn sein Boot befand sich in feindlichem Gewässer, und nach Seekriegsrecht braucht ein U-Boot wegen der eigenen Enge keine Schiffbrüchigen aufzunehmen. Der mutige niederländische Kommandant van Goosen sandte sogar 23 Gerettete mit Küstenseglern zur nahen javanischen Küste zurück. Bevor sie ihre Kameraden in Surabaya erreichten, wurden sie aber erst von den Japanern als "amerikanische Spione" aufgegriffen und ziemlich misshandelt. Kptlt. Pich, drei weitere Offiziere und einen verletzten Mann behielt Kapitän van Goosen an Bord und brachte sie in australische Gefangenschaft. Viele Jahre später konnten sich der damalige Marine-Stützpunktleiter in Singapur, Korvettenkapitän Erhardt und van Goosen als Vertreter ihrer Länder bei einem Nato-Manöver als Freunde die Hände schütteln und die mörderische Sinnlosigkeit des Krieges bezeugen. Back to Top

Das Ende des Zweiten Weltkriegs
Das tropische Klima in Jakarta forderte auch seine Opfer. Am 15. April 1945 starb der Schiffszimmermenn Eduard Onnen. Er wurde im Heiligtum Arca Domas mit militärischen Ehren beigesetzt. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland. Damit war auch für die deutsche Marine in Indonesien der Krieg zuende. Noch am selben Tage übernahmen die Japaner die beiden hier verbliebenen U-Boote, U 195 in Surabaya und U 215 in Jakarta, weil der Stützpunktleiter Jakarta, Korvettenkapitän Dr. Kandeler dem Angebot des japanischen Admirals Maëda, auf japanischer Seite weiterzukämpfen, nicht nachkam. Einige der Männer versteckten sich bei ihren indonesischen Freundinnen, was nach dem Kriege sogar zu mindestens einer dauerhaften Eheschließungen führte (Martin Müller).

Die meisten Mitglieder der Stützpunkte Jakarta und Surabaya begaben sich mit Hab und Gut, mit Proviant, Waffen und Fahrzeugen auf die beliebte Teeplantage Cikopo (Tjikopo), wo sie sich mit Albert Vehrings Hilfe selbst landwirtschaftlich verpflegten. Die Uniformen wurden abgelegt. Die Lagerleitung wurde dem Korvettenkapitän von U 219, Burghagen, übertragen, der schon im 1. Weltkrieg U-Boot fuhr und mit 54 Jahren hier der älteste Offizier war.

Am 15. August 1945 kapitulierten auch die Japaner. Der spätere erste Präsident Soekarno wurde von den Japanern ermutigt, die Unabhängigkeit Indonesiens zu proklamieren. In der Nacht vom 16. zum 17. formulierte Sukarno u.a. zusammen mit seinem späteren Vizepräsidenten Hatta aus Sicherheitsgründen in der Residenz des japanischen Admirals Maëda den Proklamationstext. In der Frühe sollte der Text getippt werden. Aber die japanischen Schreibmaschinen haben keine römischen Lettern. Also "lieh" man sich die deutsche Schreibmaschine vom Stützpunktbüro des KKapitäns Kandeler. Geholt wurde sie mit einem Jeep vom Sekretär des Admiral Maëda, Satzuki Mishima. Im Laufe des 17. August 1945 wurde dann die Unabhängigkeitserklärung Indonesiens von Soekarno verlesen. Das Originaldokument war getippt worden von Sajuti Melik auf einer Schreibmaschine der deutschen Kriegsmarine. Sie steht heute im Museum Perumusan Naskah Proklamasi. Auch eine der vielen Merkwürdigkeiten der Geschichte. Die verbliebenen Holländer waren nun das Angriffsziel von bewaffneten indonesischen Freischärlern. Um diesem fatalen Schicksal zu entgehen, trennten die Deutschen den Hoheitsadler von ihren Uniformen ab und befestigten ihn auf einer Armbinde. Wenn die Indonesier sie als Deutsche erkannten, fanden oft Verbrüderungszenen statt.

Erst im September 1945 traf ein britisches Ghurka-Regiment unter Führung eines schottischen Offiziers auf Java ein. Sie waren sehr erstaunt, in Cikopo deutsche Soldaten anzutreffen. Der Regimentskommandeur fragte Korv.Kpt. Burghagen, ob er bereit sei, mit seinen Leuten an der Sicherung eines Lagers in Bogor teilzunehmen, in dem ehemals von den Japanern internierte Holländer, meist ältere Männer, Frauen und Kinder sowie Mischlinge, untergebracht waren und die jetzt vor angreifenden Freischärlern geschützt werden mussten. Burghagen sagte zu, weil auch die Situation auf der alten Teeplantage nicht mehr sicher war. Der kommandierende britische General bezeichnete später die Deutschen nicht als Kriegsgefangene, sondern als "Displaced Persons", weil das Zusammentreffen erst nach dem Schweigen der Waffen stattfand.

50 japanische Laster transportierten nun die Deutschen einschließlich Klavier und Haustieren ins Lager Bogor, das früher Buitenzorg hiess. Die Deutschen mussten wieder ihre Uniformen anziehen und wurden mit Schnellfeuergewehren, Maschinengewehren, Granatwerfern und Handgranaten ausgerüstet. Sie hatten die der Stadt zugewandte Südflanke des Lagers zu verteidigen. So kurz nach Kriegsende sicherlich ein aussergewöhnliches Bild. Es kam aber in der ersten Nacht zu einem höllischen Feueraustausch, bei dem aber auf keiner Seite Opfer zu beklagen waren. Wie sich später herausstellte, nahmen die angreifenden Indonesier wahrscheinlich an, dass die Deutschen von den Alliierten gefangen genommen wurden, und sie versuchten, sie zu befreien. Eine kuriose Situation. Back to Top

Bestattungen von deutschen Seeleuten auf Arca Domas
Es gab aber doch Opfer. Oberleutnant z. See Willi Schlummer und Leutnant Ing. Wilhelm Jens wurden im Deutschen Haus in Bogor von indonesischen Freiheitskämpfern am 12. Oktober getötet, weil sie möglicherweise für Holländer gehalten wurden. Im selben Monat erlitt Leutnant z. See W. Martens das gleiche Schicksal, als er im Zug von Jakarta nach Bogor fuhr. Alle drei wurden wiederum mit militärischen Ehren in Arca Domas bestattet. Bereits vorher, am 29. September war der Obergefreite Willi Petschow durch Krankheit in Cikopo verstorben, und Kapitänleutnant Hermann Tangermann war schon am 23. August durch einen Unfall ums Leben gekommen. Am 30. November starb auch noch Oberleutnant z. See Friedrich Steinfeld, der Kommandant von U 195 (Surabaya). Alle fanden ihre letzte Ruhe zwischen den heiligen Bäumen auf Arca Domas.

Blumenkränze am Marinedenkmal niedergelegt am Volkstrauertag Das Grabmal eines unbekannten Soldaten Die fünf rechtsseitigen Gräber der Kameraden Steinfeld (Kpt.von U-195), Onnen, Martens, Petschow und Schlummer mit der Buddha Statue Das Grab des Kdt. von U-195, Olt.z.See Steinfeld
       
   
  Die Besatzung von U-219 (Tanjung Priok) im Dez. 1944 mit ihrem Kapitän, Korvettenkapitän Burghagen  
       
Die deutsche Gemeinde am Volkstrauertag bei der ökumenischen Andacht Peter Marl von U-195 am 4. Mai 1945 in Surabaya. Er wurde einer der bekanntesten U-Boot-Fahrer weltweit. Peter Marl in Krungl, Steiermark, im Juli 2005 mit seinen Auszeichnungen und seinem Kriegs-tagebuch mit der Zeichnung eines japanischen Soldaten. Die Gräber von Haake, Jens und Tangermann, das Marinedenkmal von 1926 und die hinduistische Ganesha Statue.

Möglicherweise fanden noch vier oder mehr Beisetzungen hier statt. Aber als Arca Domas Jahrzehnte später als deutscher Soldatenfriedhof eingerichtet wurde, konnten einige Namen auf den verwitterten Holzkreuzen nicht mehr entziffert werden. Daher schrieb man auf zwei Grabsteine "Unbekannt". Auch für Olt. Dr. Ing. H. Haake wurde auf Bitten seiner Familie ein Grabstein errichtet, obwohl sein Boot mit allen Mann in der Sundastrasse am 30.11.1944 durch eine Mine sank. Back to Top

Internierung, Freiheitskampf auf indonesischer Seite und Heimkehr der Überlebenden nach Deutschland
Inzwischen beschwerten sich die holländischen Lagerinsassen, dass sie von Deutschen "bewacht" würden. Die Briten mussten die etwa 260 Deutschen Mitte Januar 1946 einigen inzwischen bewaffneten Holländern übergeben, die sie auf der berüchtigten Gefängnisinsel Onrust gefangen setzten. Ihre persönliche Habe wurde ihnen größtentels abgenommen. Ironie des Schicksals.

Die zunächst rüde Behandlung besserte sich erst etwas, als im Juli 1946 Vertreter des Roten Kreuzes auftauchten. Aber die Insassen litten infolge der unhygienischen Verhältnise und der mangelhaften Ernährung an Amöbenruhr, Malaria, Dengue Fieber und Lebererkrankungen. Hier wurde auch der Zivilbedienstete Freitag von einem Posten erschossen, weil er sich zu sehr dem Zaun genähert hatte.

Zwei Unerschrockenen glückte aber der Ausbruch, indem sie nachts zunächst zu einer anderen Insel schwammen: Der Marineflieger Werner und Kamerad Lösche von U 219 schlossen sich nach ihrer Flucht den indonesischen Freiheitskämpfern auf Java an und kämpften fortan mit diesen Schulter an Schulter um die Unabhängigkeit Indonesiens gegen die niederländischen Streitkräfte, die die alte Kolonialherrschaft wieder errichten wollten. Werner kam später vermutlich beim Versuch, einen Flammenwerfer zu entwickeln, ums Leben. Beide harren noch eines ehrenden Gedenkens der indonesischen Regierung.

Am 28. Oktober 1946 wurde endlich die Repatriierung der Deutschen eingeleitet. Mit einem Truppentransporter kamen sie über Bombay und Rotterdam Anfang Dezember 1946 in Hamburg an. Albert Vehring konnte endlich wieder seiner Frau in die Arme fallen. Die Männer der Marine wurden aber wieder zu Kriegsgefangenen erklärt und ins Gefangenenlager Munsterlager gebracht, wo sie entsetzlich froren, weil sie nur Tropenkleidung besaßen. Aber auch sie wurden eines Tages entlassen.

Leider verweigert die indonesische Regierung dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Kauf des deutschen Soldatenfriedhofs Arca Domas. Der deutschen Botschaft wurde nur ein Nutzungsrecht eingeräumt. Alljährlich im November, am Volkstrauertag, versammelt sich hier eine kleine deutsche Gemeinde. Ein ökumenischer Gottesdienst wird für die Erhaltung des Friedens und zum Gedenken an die Opfer der Kriege gehalten. Der deutsche Botschafter legt zusammen mit seinem Verteidigungsattaché am Denkmal einen Blütenkranz nieder mit der Schleifenaufschrift "Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland". Das Trompetensignal "Ich hatt' einen Kameraden..." intoniert von Herwig Zahorka erklingt. Es widerhallt in den riesigen Kronen der heiligen Waringin-Bäume. Leise verklingt die traurige Melodie in der schwülen Tropenluft. Back to Top

Literaturverzeichnis zu Herwig Zahorka: Arca Domas - ein deutscher Soldatenfriedhof in Indonesien

  1. Eidesstattliche Erklärung von Albert Vehring vom 20.Juni 1949, Urkundenrolle Nr. 61, 1949, Notar Bernhard Grünewald, Bielefeld.
  2. Kpt.z.See a.D. Hermann Kandeler: Der Soldatenfriedhof ARTJA in TJIKOPO SELATAN bei BOGOR / INDONESIEN mit massstäblicher Skizze über die einzelnen Grabanlagen in einer "Anlage zur Aktennotitz" (der Deutschen Botschaft in Jakarta) vom 31.10.1966.
  3. Anonymus: Fotogr. Aufnahmen der Deutschen Botschaft Jakarta von Arca Domas zusammen mit zwei Spalten Text über die Geschichte des Deutschen Soldatenfriedhofs und den Aktivitäten der deutschen Kriegsmarine im 1. und 2. Weltkrieg. (Ablichtung bei der Deutschen Botschaft Jakarta, Druckquelle unbekannt).
  4. Geoff Bennett, 1977: ARCA DOMAS ... A Trail through Time and Space, (unveröffentlicht, in englischer Sprache). Beschreibung vieler mit dem Soldatenfriedhof in Zusammenhang stehenden Begebenheiten auf 16 Schreibmaschinenseiten.
  5. Hans-Joachim Krug (ehem. 1.WOff. U 219): Schreiben an die Deutsche Botschaft Jakarta ohne Datum, dort eingegangen am 11.03.1998 mit Richtigstellungen, Korrekturen und Ergänzungen zu ARCA DOMAS von Geoff Bennett.
  6. Holk H. Dengel: Die deutschen Marinestützpunkte Jakarta und Surabaya 1943-1945. Auswertungen der Quellen im U-Boot-Archiv Cuxhaven-Altenbruch, Literaturangaben und Augenzeugenzitate. Sechs Seiten. Ablichtung bei der Deutschen Botschaft Jakarta. Veröffentlicht? Quelle unbekannt.
  7. Holk H. Dengel: Deutsche U-Boote, die zwischen 1943-1945 die Stützpunkte im Südraum anliefen. 7 Seiten mit Namen der Kapitäne, der U-Boot-Typen, der gefahrenen Routen und ihre Schicksale. Abbildung des Zeichens des Monsun-U-Bootes 195 und Fotos der deutschen Marine in Jakarta 1942/45. Ohne Quellenangabe.
  8. Hermann Kandeler: 1943: Djakarta - deutscher Marinestützpunkt. Marineforum 6/7-1974: 206-208.
  9. Liste der U-Boote, die in ostasiatischen Gewässern operiert haben oder dorthin in Marsch gesetzt wurden (U-Boot-Archiv Cuxhaven-Altenbruch).
  10. Hans-Joachim Krug: Schreiben an die Deutsche Botschaft Jakarta vom 23.Jan.1989 mit einer Aufstellung der Boote, die Jakarta anliefen und einer Liste der Besatzungsmitglieder von U 219 mit Adressen der Angehörigen.
  11. Anonymus: Deutscher Soldatenfriedhof ARCA in CIKOPO. 1 Seite Text ohne Datum. Zeichen: KRZGES2.DOC.
  12. Drittes Merkblatt über die Lage der Deutschen in Niederl.Indien, Stand Aug.1941 - nicht für die Presse - NJ4 (4000. 1.9.1941), Auswärtiges Amt, Berlin W8/Kult.E/ZV).
  13. Auszug aus: Emil Helfferich (1967): Behn, Meyer & Co, Arnold Otto Meyer. II. Band. H.Christians Verlag Hamburg.
  14. Walter Blechschmidt: Schreiben an die Deutsche Botschaft Jakarta vom 28.Febr.1984. (Beschreibung seiner Internierung als Zivildeutscher).
  15. Auszug aus Brief an MAH Tokio von C.G.Werner vom 9.3.1994.
  16. Schreiben des Japanischen Botschafters in der BRD Ryohei Murata an den Deutschen Botschafter Dr.Heinrich Seemann vom 26.Juli 1993 (u.a über U-Boot-Navigation anlässlich Subhas Chandra Boses U-Boot-Reise nach Indien 1945).
  17. Ida Indawati Khouw: The legacy of Maëda's residence. The Jakarta Post, Oct. 7, 2000. (Der japanische Admiral Maëda war der Marinechef in Jakarta 1942-45).
  18. Von: Kommando Kreuzer "Karlsruhe", B.Nr.G40, in See, 22.Jan.1936. Geheim. An den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Berlin. Bericht über den Aufenthalt des Kreuzers "Karlsruhe" in Batavia vom 10.1.-16.1.1936. (22 Seiten, u.a. Gedenkfeier am Marinedenkmal in Tjikopo).
  19. Hans-Georg v. Friedeburg: 32 000 Seemeilen auf blauem Wasser. Erlebnisse auf der Weltreise des Kreuzers "Hamburg" 1926/27. Verl.Wilh.Köhler, Minden.
  20. Ernst Hoffmann: Vor 80 Jahren. Das Ostasiengeschwader bei Coronel und Falkland. Blaue Jungs 5/95:2-4.
  21. Umfangreicher Dokumentarbericht in Fortsetzungen von Jürgen Dennert: "Der Untergang der 'van Imhoff'". In: Welt am Sonntag 1963, Nr.34, Nr.35, Nr.36, Nr.37, Nr.38 und Nr.39/1963.
  22. Der Seekrieg im Indischen Ozean 1942 - 1945 - Deutsche U-Boote im Einsatz zwischen Südafrika und der Java-See. Anonymus. 193 Seiten, Fotoanhang.
    Nach dem Erstdruck der Geschichte dem Autor bekannt gewordene intressante Schriften:
  23. Kriegstagebuch von Ob.Mt. Peter Marl, Abschnitt: Auf der letzten Fahrt von U 195 nach Surabaya, Aufenthalt in Java, Kriegsende und Heimkehr nach Deutschland. Unveröffentlicht. Kopie bei Herwig Zahorka und der Botschaft in Jakarta.
  24. "Heimat deine Sterne", zusammengestellt von Johann Korn (U 195). 102 Seiten. Kopie bei Herwig Zahorka.
  25. Franz Klump (U 219): "Es war einmal... Bericht über das Schicksal von U 219 und seiner Besatzung von 1944 bis 1946". Kopie bei der Botschaft in Jakarta und bei Herwig Zahorka.
  26. Martin Müller (U 195): Bericht eines Zeitzeugen aus der Zeit von Ende 1944 bis Mitte 1947 auf Java. 11 Seiten DIN A 4. Kopie bei Herwig Zahorka und der Botschaft in Jakarta.
  27. Persönliche Informationen noch lebender, ehem. Besatzungsmitglieder von U 195 (Surabaya) und U219 (Jakarta), u.a. mündliche Informationen von Peter Marl im Juli 2005 sowie vollständige Namenslisten, demVerfasser Herwig Zahorka übermittelt.

Herwig Zahorka:
ARCA DOMAS - ein deutscher Soldatenfriedhof in Indonesien.
Eine Geschichte von einem verschwundenen Königreich, von heiligen Bäumen, von brutalen Kriegen, von gesunkenen Schiffen, von verlorenen Seemannsseelen und von stillen Gräbern am Hang eines tropischen Vulkans.


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2001
1) Schaltung Küste; Jan./Febr. 44/Nr.186: 15-25. Verband deutscher U-Bootfahrer e.V.,
    Hamburg (hier ungekürzt mit Literaturverzeichnis und 10 Fotografien).
2) KAMERADEN; Nr. 4, April 2001: 5-6 (1. Teil) und Nr. 5, Mai 2001: 6-7 (2. Teil). Stuttgart.
3) Soldat im Volk; Nr. 5, Mai 2001: 105-107. Verband deutscher Soldaten. Bonn-Bad Godesberg.
4) KITA; 1.01: 70-78 (2 Fotos). Magazin der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft e.V., Köln.
5) Werkgroep Kriegsmarine Magazine; nr. 4-2001: 78-85 (einschl. Literaturverzeichnis u.
    mit 2 Titelblatt-Fotos). 3203 XP Spijkenisse, Nederlands.
6) MarineForum; 11/01: Gelbe Seiten 78-80. E.S.Mittler&Sohn, Hamburg.

2004
7) Köhlers Flotten-Kalender 2004: 130-139; Hamburg.